Ein Reisebericht in vier Akten
Episode 3 - Sonnabend, 7. Juni 2014
Für den heutigen Tag hatten wir bereits am Freitag Tickets
für einen Bus gekauft, der im Zwei-Stunden-Takt diverse Sehenswürdigkeiten der
Umgebung anfuhr und Ravna war äußerst skeptisch. Eine Busreise! Das klang
verdächtig nach Rentnerpauschalurlaub mit Schafherdenfeeling. Glücklicherweise
stellte sich diesesmal aber heraus, das Ravna einmal mehr einem Vorurteil
aufgesessen war.
Und wer
weiß, vielleicht hilft das ganze ja auch nur auf Englisch. Wir durchwanderten
daher lieber die umliegenden Gärten, in denen es unter anderem auch noch eine
Wunschtreppe gibt und veranstalteten das traditionelle
Kaline-und-Ravna-auf-Reisen-Picknick mit Brot und Käse.
Als ich noch ein regelmäßiger Nutzer der Stadtteilbibliothek
Pankow war, war ein Buch mit auf Fakten basierenden fiktionalen Geschichten namens
„Die Nacht, als die Titanic sank“ eines meiner Lieblingsbücher, aber die Lücken
in meiner Filmausbildung zeigten sich wieder einmal, als Kaline mich am Ende
der Ausstellung fragte, ob es denn in der Passagierliste auch eine „Rose“ gäbe –
ich fragte mich eine ganze Weile, was in aller Welt Rose Tyler auf der Titanic
zu suchen hätte.
Als letzten Stopp hatten wir die Wahl zwischen einer Whisky-Destillerie und einem Tierpark. Whisky ist nicht so
spannend, wenn man ihn nicht mag und außerdem war das Wetter inzwischen wieder
schön, also gingen wir lieber in den Tierpark. Die Fortsetzung unseres
Picknicks wurde allerdings zuerst von zwei Affen unterbrochen, die sehr an unserem
Käse interessiert waren, und dann landete noch ein großer Klecks
Rabenhinterlassenschaft auf meiner Hand und meinem Knie, sodass ich den größten
Teil der Picknickzeit schrubbend im Bad verbrachte.
Am Abend gingen wir in die Oper – oder nicht ganz, denn auch
wenn es das „Cork Opera House“ war, handelte es sich um eine Schülervorstellung
einer Theatergruppe und die Beiträge varierten zwischen „furchtbar niedlich“
und „furchtbar gut. Kaline hatte sogar ein Kleid mit, und da Ravna ja generell
kuhl ist, sich sowieso nie schminkt und sich nicht dafür interessiert, was
andere Leute über ihre Klamotten denken, machte sie sich fürchterliche Gedanken
darüber, keine Alternative zu ihren Leichtwanderschuhen in Hellblau mit
Kaffeefleck eingepackt zu haben.
Eine unserer neuen Zimmermitbewohnerinnen für diese Nacht war
auch Au pair, die andere bekam ich nie zu Gesicht, denn in dieser Nacht rauchte
niemand auf seinem Zimmer und sie war bereits verschwunden, als wir am näcshten
Morgen aufstanden.
Fortsetzung folgt.
Ingen kommentarer:
Legg inn en kommentar