Viser innlegg med etiketten Wetter. Vis alle innlegg
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onsdag 25. mars 2015

Faszinationen


Sonnenfinsternis auf westnorwegisch
Das letzte Stück Schokoweihnachtsmann ist gegessen, die Regenwolkenfinsternis wurde fotografiert und nächste Woche ist auch schon wieder Ostern (und nach Ostern … sind schon wieder Prüfungen … aber psst … lieber nicht dran denken …). Und nach Ostern (und den Prüfungen … Psssssst!) will Ravna wieder eine Sommersaison lang Touristen durch die Stadt führen und Geld verdienen lustige Fragen für ihren Blog sammeln. Und danach will sie gerne ein Semester lang in etwas südlicheren Breiten studieren. Sprich, in Schottland. Die Bewerbungsfrist ist im April, und wenn es nach Ravna ginge, hätte sie die Bewerbung schon lange abgeschickt. Wenn es nach Ravna ginge, hätte sie auch die Arbeitszeiten für die Sommersaison schon verteilt. Aber Ravna wohnt jetzt in Norwegen, und der 15. April, dass ist doch noch eeeeeewig hin. Und nach fünf Jahren YFU und Austausch und Anpassung tut Ravna natürlich so, als wäre das natürlich überhaupt nicht schlechter, sondern nur anders – aber eigentlich möchte sie am liebsten morgen in das Büro ihrer Studienberaterin stürmen, die Tür verrammeln und so lange nicht mehr herauskommen, bis besagte Studienberaterin endlich die letzten Dokumente unterschrieben und die Bewerbung abgeschickt hat. 
Gedichtanalyse. Sorry, Shelley.
Im Museumskafé hat Ravna neulich – schließlich studiert sie ja dieses Semester Englische Linguistik und Literatur – rasberry-beer-juice zu verkaufen versucht, und dann hat sie fasziniert zwei älteren Damen hintergelächelt, die die Teelichter aus ihren Gläsern genommen hatten, um stattdessen benutzte Teebeutel hineinzutun. Aber Teelicht, Teebeutel, dass sind wohl auch alles blos kellnerliche Kategorien. Oder so. Witzig.
Englisch ist ein beinahe ebenso faszinierendes Studienfach wie Kulturwissenschaften. Es gibt einen sehr englischen Dozenten in einem sehr englischem Anzug (und sicher dem einzigen Schlips an der gesamten geisteswissenschaftlichen Fakultät), der  geschmacklose Hitlerwitze erzählt – wenn Klischees Beine haben, sucht sie bei uns, sie halten Vorlesungen über Shakespeare! Es gibt eine Phonetikklasse, deren Lehrerin faszinierenderweise selbst schriftlich klingt, als sei sie geradewegs aus den BBC-Abendnachrichten entsprungen, ich kriege Emails an einen Seminarleiter, der fast den gleichen Namen hat wie ich und der Dozent für Grammatik fragt alle Viertelstunde, ob nicht ein native speaker ihm mal kurz seine Fragen beantworten könnte. Und dann ist da noch der Typ aus der dritten Reihe, der dachte, roter Mohn hätte etwas mit Popmusik zu tun … . Aber Ravna glaubte ja auch, von einem sprechenden Schimpansen im nordirischen Parlament gehört zu haben, bevor ihr aufging, dass es nicht shimpain heißt, sondern Sinn Féin. Ein faszinierendes Studienfach eben. Fürs Leben kann man in der Schule lernen, danach kommt der Rest.

onsdag 10. desember 2014

Kaninchenblick und Milchreisessen

Oh, du schöne Weihnachtszeit! Es ist Dezember, und wieder einmal erreichen mich diverse Nachrichten aus Deutschland, ob es denn hier nicht furchtbar dunkel sei, und wieviel es denn schon geschneit habe. Es ist dunkel, aber nicht furchtbar, und als ich vor anderthalb Wochen Prüfungen hatte und morgens püntklich um 8:00  Uhraus dem Haus gegangen bin, habe ich jeden Tag die Sonne aufgehen sehen können, wenn ich aus der Bahn stieg. Das erste Mal, seit ich Anfang Juni um 4:30 Uhr auf den Bus zum Flughafen wartete, um nach Irland zu fliegen. Inzwischen sieht es mit Sonnenaufgängen allerdings eher schwarz grau aus, denn seit Montagabend ist es nass und stürmisch und in regelmäßigen Abständen gibt es Hagel und Blitze.
Seit dem 1. Advent sind für mich Weihnachtsferien, aber zuvor mussten wieder einmal Prüfungen geschrieben werden, und dieses Semester hielt für Ravna wieder einmal eine besondere Hürde bereit – eine mündliche Prüfung! Das erste und bis dahin einzige Mal, dass Ravna an einer mündlichen Prüfung teilgenommen hat, war fürs Abitur und verglichen mit allen anderen Abiprüfungen war das eine ziemliche Katastrophe. Politische Bildung war eigentlich immer mein Fall, aber in dieser einen halben Stunde hätte man meinen können, sie hätten mir aus Versehen die Physikaufgaben hingelegt, soviel hatte ich (nicht) zu sagen. Diesmal ging es um den Gebrauch der Vergangenheit in der Gegenwart, um das Verhältnis zwischen Erinnerung und Geschichte und Kulturdenkmäler und Museen und andere staubige und furchtbar interessante Dinge, und mir graute davor. Wir hatten zuerst eine Hausarbeit geschrieben, und jetzt sollten wir jeder eine halbe Stunde Fragen dazu beantworten! Ich sollte Angesicht zu Angesicht mit den Leuten reden, die meine Hausarbeit gelesen und bewertet hatten! Wo ich doch sonst meine Klausuren und Arbeiten nur beruhigt abgeben kann, weil ich weiß, dass nie jemand erfahren wird ,dass sie von mir geschrieben wurde und  die Note dann irgendwann einfach im Internet auftaucht, ohne, dass jemand mich zuordnen kann. Und jetzt sollte ich darüber reden, mit Leuten, die teilweise die Literatur geschrieben hatten, die ich verwendet habe. Hilfe!  
Und es war die reinste Katastrophe. Ravna wollte auf gar keinen Fall ein  Glas Wasser, weil das nur der Schwerkraft zum Opfer gefallen wäre, aber die Erklärung, dass ihr immer die Hände zittern, wirkte angesichts ihres besten Kaninchen-vor-der-Schlange-Blick wohl nicht besonders überzeugend. Sie stotterte sich also durch zwanzig Minuten, und bis auf die glorreiche Antwort „Wie jetzt, einfach so  puff?“ auf die Frage, was sie denn zum Thema Tradition und Modernität zu sagen habe, war es wirklich nicht lustig – aber die beiden Prüfer müssen Mitleid gehabt haben oder waren nach einem Tag voll mündlicher Prüfungen auch nicht mehr so ganz bei der Sache, denn notenmäßig war es dann gar nicht so schrecklich. Jetzt muss ich nur noch das Studienfach wechseln, damit ich den beiden nie wieder in die Augen sehen muss. Die sechsstündige Klausur am Tag danach war weitaus mehr nach Ravnas Geschmack und lieferte zudem das gleiche Ergebnis für weitaus weniger Unwohlsein. Wieso ich eigentlich als Tourguide arbeiten kann, ist mir ein Rätsel. Reden! Mit fremden Leuten!

Aber nun sind alle Prüfungen geschrieben und die Zeit vergeht vor allem mit Milchreisessen auf diversen Weihnachtsfeiern. Beim Tanzverein, im Wohnheim, mit YFU - überall wird gemeinschaftlich Milchreis gegessen, und wer eine Mandel in seiner Portion entdeckt, gewinnt ein Marzipanschwein. Wenn der Veranstalter etwas mehr Geld hat, etwa ein Arbeitgeber, gibt es auch richtiges Essen. Das nennt man dann "Julebord", also Weihnachtstisch, und weil da manchmal sogar der Alkohol gratis ist, überschwemmen nun jedes Wochenende in den Nächten stark angeheiterte Personen über 40 das Stadtzentrum und benehmen sich genau wie die neuen Studenten während der Erstiewoche, über die sie ein halbes Jahr früher noch entsetzte Leserbriefe in die Zeitung gesetzt haben. 
Ansosnten bin ich momentan vor allem faul - meine Gastschwester hat mich vor eine neue Fernsehserie gesetzt, im nächsten Semester habe ich ein Fach, für das ich sechs richtige Bücher lesen kann und wenn mir nicht vor einer halben Stunde meine letzte Nadel unterm Sofa verloren gegangen wäre, könnte ich auch vor Weihnachten noch mit einer Stickerei fertig werden. Und ich habe sogar mein Färöischbuch wieder einmal angeguckt. Am Samstag ist Weihnachten, weil wie jedes Jahr nicht die ganze (Gast)familie an Heiligabend in Norwegen ist und wir Weihnachten daher vorziehen, und am Sonntag fliege ich nach Berlin. Wenn uns der Sturm nicht vorher noch irgendwo anders hinpustet.

lørdag 4. oktober 2014

Hexen und Touristen

Wo Ravna jetzt wohnt
Im September hatte Ravna viel zu viel zu tun, um von sich hören zu lassen. Oder vielleicht ist auch einfach überhaupt nichts passiert. Oder vielleicht  .... ganz vielleicht ... also, eher nicht, aber eventuell ... war sie einfach viel zu faul zum Schreiben. Was, wie diejenigen, die Ravna auch außerhalb des zwischennetzlichen Lebens kennen, eher unwahrscheinlich ist. Aber man weiß ja nie!
 
In Bergen hat der jährliche Regenschauer begonnen, es ist windig, allerdings noch nicht kalt, und deswegen hat sich Ravna diese Woche passend zum Wetter ersteinmal ein Fahrrad zugelegt. Da das Studentenwerk momentan lieber die Wände im Treppenaufgang pink und lila streichen lässt, anstatt den seit  Jahren versprochenen neuen Fahrradunterstand zu bauen, ist esl auf dem Balkon eingezogen.

Woran Leute denken...
An der Uni geht es dieses Semester um Hexenprozesse und die Vergangenheit in der Gegenwart. Frühe Vorfahren der Kulturwissenschaftler führten Forschungsinterviews über den Teufel  - an Forschungsethik hatte man nur noch nicht gedacht, deswegen konnte die Durchführung für die Informanten mitunter unangenehmt werden, erzählt uns unsere Dozentin. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich mich in eine direkte Linie zu diesen historischen Personen der Vergangenheit stellen möchte, um mir in der Gegenwart eine Identität als Kulturwissenschaftler zu schaffen, auch wenn es in unserem Jahrhundert offensichtlich einen religiös anmutenten Hang zu Kulturerbe und Ahnenkunde gibt. Nebenher nehme ich jede Woche einmal zwei Stunden lang Wörter außeindander und hoffe, dass mein Vordermann in der Bahn nicht nass wird, während ich den Unterschied der Ausprache des ersten Lauts in "the" und "theater" zu ergründen versuche.

... wenn Ravna "aus Berlin" kommt.
Das Herbstsemester ist fast einen ganzen Monat kürzer als das Frühlingssemester und in sechs Wochen fängt schon die erste Prüfung an. Wäh! 

Der September ist auch der Monat, in dem Ravna jedes Jahr näher an die ersten Falten heranschreitet, und da dieses Ereignis traditionell mit Quarktorte ohne Boden gefeiert wird, nahm sie ein Flugzeug nach Berlin, um Kuchen zu essen, ins Theater zu gehen und ein paar Tage ihre Eltern fürs Mittagessen zahlen zu lassen.


Wo Ravna eigentlich herkommt
Und am heutigen Wochenende hat Ravna zum ersten Mal eine Schicht im Museumskafè gearbeitet - das Brot ist nicht angebrannt, die Kasse stimmte und alle Teller sind noch heile; die ersten zwei Waffeln sind allerdings auseinandergefallen und dem Touristen, der seinen Rucksack mit kleinen Kaffeesahnepäckchen auffüllte, als er meine Augen auf den Waffelteig geheftet wähnte, habe ich seinen Glauben gelassen. Was sagt man auch zu sowas?

søndag 17. august 2014

Føroyar

Wenn man einen Atlas auf der Seite über Nordeuropa aufschlägt und dann ein Dreieick zwischen Island, Schottland und Westnorwegen bildet, findet man fast genau in der Mitte ein kleines Fleckchen aus 18 Inseln. Kinder der Nullerjahre bevorzugen eventuell die Verwendung von Guugell Maps, aber da muss man dann ja nicht einmal mehr wissen, wie man ein Dreieck bildet. 

Diese kleine Fleckchen im Atlas bestehen hauptsächlich aus Steinen, Gras, Schafen und Meer und nennen sich die Färöer Inseln. Sie gehören irgendwie zu Dänemark, aber nicht zur EU, haben ihre eigene Flagge, Fußballmannschaft und Sprache, und wenn man bei einer der bekanntesten Online-Magazine Deutschlands nach ihnen sucht, erhält man hauptsächlich Artikel über Fischfangquoten und WM-Qualifikationsspiele, bei denen Handspiel ausdrücklich erlaubt ist - bei Sturm muss ein Mitspieler beim Elfmeterschießen den Ball festhalten, damit der nicht vorzeitig wegfliegt.
Die Temperatur liegt eigentlich das ganze Jahr über bei 10°C, und nachdem Ravna bereits vor zwei Jahren festgestellt hatte, dass Barcelona im August für Wahlskandinavier einfach unerträglich ist, erschienen ihr ein paar windige Felsen mitten im Nordatlantik als genau das richtige Sommerurlaubsziel. Und da sie dort auch noch eine nordische Sprache mit unregelmäßigen Verben, drei Geschlechtern und vier Fällen haben, inklusive eines dreiwöchigen Sommerkurses in Tórshavn, um sich das Ganze mal aus der Nähe angucken zu können, stand fest, wo Ravna das letzten Sommer verdiente Geld am besten sinnlos anlegen könnte - und nun sind zwei der drei Wochen auch schon wieder vorbei. 

Und bisher war es einfach nur wunderbar. Der Sprachkurs ist vielleicht nicht der beste der Welt - es ist alles sehr nordeuropäisch: "Ach, das ist vielleicht ein kleines bisschen kompliziert - naja, dann kommt es halt auch nicht in der Prüfung dran." und es gibt beinahe mehr Kaffepausen als unregelmäßige Verben, aber Färöisch ist eine äußerst faszinierende Sprache. Und ich wusste nicht, dass das mit den Fällen so kompliziert sein kann! Jetzt verstehe ich langsam, warum Deutsch von außen kompliziert aussieht. Und wir haben plötzlich wieder jeden Tag Unterricht, und Hausaufgaben! Und ich hab sie sogar schon wieder vergessen!
Unter den Teilnehmern ist vom 16-Jährigen mit färöischer Großmutter über die harfespielende amerikanische Glasbläserin und eine beeindruckende Zahl deutsche Skandinavistikstudenten bis zum 60-Jährigen pfeiferauchenden Rentner alles vertreten. Ich wohne mit zwei anderen bei einer netten älteren Dame, jeder hat ein Zimmer, wir können die Küche mitbenutzen und alles fühlt sich beinahe an wie die ersten Wochen des Austauschjahres - wo ist das Sieb, darf ich wirklich einfach an den Kühlschrank gehen, wann kann ich am besten duschen gehen ohne jemand anderen zu stören und ja doch, ich verstehe schon einiges, aber ich traue mich wirklich nicht, auf Färöisch zu antworten.

An den Wochenenden haben wir frei, gestern gab es auch eine von der Uni geplante Exkursion nach Vágar und ansonsten findet sich immer jemand, mit dem man irgendwohin fahren kann - mit der Fähre nach Suðuroy, mit dem Bus nach Vestmanna oder zu Fuß nach Kirkjubøur. Überall Steine, Gras, Schafe, Wolken und Meer, aber überall ist es einfach nur wunderschön.

29 einander völlig unbekannte Leute mit unterschiedlichster Herkunft für drei Wochen auf einer Inselgruppe mit nicht ganz 50.000 Einwohnern zusammenzustecken, ist natürlich auch an sich schon eine faszinierende Erfahrung. Viele sind weiblich, die meisten sind zwischen 20 und 30, einige sind aus Deutschland und ich bin die einzige Deutsche, die nicht Skandinavistik studiert. Die allermeisten sind äußerst lieb, und mit einigen wenigen habe ich auch nach zwei Wochen noch kein Wort gewechselt und andere würde ich gerne auch nach den drei Wochen ab und an einmal wiedersehen. Einige aber auch lieber nicht. Es ist tatsächlich wie in der Schule. Es gibt nicht nur wieder Hausaufgaben und spannende Stunden und sich-dahinziehende-schon-wieder-nur-fünf-Minuten-seit-dem-letzten-Mal-an-die-Uhr-gucken Stunden, sondern es scheint auch all die Leute zu geben, die offensichtlich in allen Schulklassen der Welt in irgendeiner Form vertreten sind. Einen, der anstatt einer Frage immer noch ungefragt die drei folgenden beantwortet. Drei oder vier, die immer und überall zu hören sind. Andere, deren Anwesenheit man nicht einmal bemerken würde, wären sie nicht körperlich anwesend. Eine Person, die immer alles weiß. Und zwar besser. 

Aber wie auch immer, das Land in dem die Pommes Kips heißen, die Busse in der Hauptstadt kostenlos sind und das die höchste Anzahl publizierte Bücher pro Nase aufweist, ist ein schönes Fleckchen und ich hoffe doch, dass ich auf der nächsten Bootsfahrt auch wieder eine SD-Karte in meine Kamera stecke.















torsdag 20. mars 2014

Student sein (oder nicht sein)

Schon die ungläubigen Blicke meiner Mitstudenten, als ich beim Anblick des Preises für das erstaunlich langweilig zu lesende Fachbuch „Das qualitative Forschungsinterview“ ausrief: „Himmel, davon könnte ich mir ja 12 Shakespeare-Hefte kaufen!“, waren ein Hinweis darauf, und eigentlich wusste ich es schon viel länger: Viele Angehörige der Spezie Student, norwegisch, stellen sich unter einem schönen Freitagabend etwas anderes vor, als um 19:00 vom Bowling mit seiner Volkstanzgruppe nach Hause zu kommen und dann bei Gemüselasagne und Kräutertee drei Stunden Hamlet zu gucken (großartige Inszenierung im Übrigen. Oder wie auch immer das heißt, wenn es im Prinzip ein Film ist). Ganz sicher etwas anderes stellt sich Wer-auch-immer-rechts-übe-mir unter einem schönen Freitagabend vor. Oder unter jedem anderen Abend. Oder unter früh morgens um 4:00. An einem Dienstag. Und Mittwoch. Und Donnerstag. Wenn er wenigstens meinen Musikgeschmack hätte, dann würde sich das unfreiwillige Zuhören wenigstens lohnen. Wie der sich am Ende der Winterferien noch auf den Beinen halten konnte, ist mir ein Rätsel. Ich hätte schon längst wieder eine eitrige Mandelentzündung bekommen. Gut, dass ich stattdessen Hamlet geguckt hab.
Der mildeste Winter in Bergen seit Menschengedenken wütet vor der Tür, inzwischen sind die Schneeglöckchen schon wieder verblüht. Inzwischen wäre es wohl kalendarisch korrekter, von Frühling zu sprechen, aber draußen sieht es eher nach November aus.


Mit der Erkenntnis, dass von diesem Semester, Ostern inklusive, auch nur noch zwei Monate übrig sind, habe ich nun auch tatsächlich angefangen, zu studieren: 

Ich hab ja noch bis 7. Mai ...
Wenn man erst einmal angefangen hat, ist das Pensum auch gar nicht so langweilig, aber nach ein paar Stunden zwischen von Norwegern geschriebenen englischen Büchern, schwedischen Lehrheften geschrieben von Dänen und ins Norwegische übersetzte Artikel von Deutschen frage ich mich, ob sie sich im Norden nicht einfach auf eine Schriftsprache einigen könnten. Vorzugsweise Norwegisch, das kann ich schon. Auch, wenn ich meine dänische Dozentin jedes Mal knuddeln könnte, wenn sie „Schleiermacher“ sagt. Dafür würde es sich fast lohnen, zu Philosophie zu wechseln. Aber nur fast.

Die Anzahl der Fälle, in denen ich während der letzten 20 Jahre für eine Niederländerin gehalten wurde, hat sich inzwischen auf mindestens 6 gesteigert. Ansonsten nähe ich ein rotes Wollkleid; höre ein Hörbuch über Drachen, Wikinger und die Entdeckung Amerikas und schüttle den Kopf über das Vorbehaltsrecht für Hausärzte, das die nicht mehr ganz so neue Regierung hier einführen will. Vielleicht sollte ich darüber mal was schreiben, in letzter Zeit sind meine Beiträge ja doch etwas wetterlastig.
Das Vinmonopol (der Laden, in dem man in Norwegen Flüssigkeiten erwerben kann, die mehr Alkohol als Bier enthalten) macht Werbung dafür, dass ich eine Biene retten kann. Jedes Mal, wenn ich mich unaufgefordert ausweise! Vielleicht mache ich morgen mal eine Runde durch ein paar Läden und zeige ihnen meinen Führerschein ... 
Jaja, ich habs mir ja selbst ausgesucht. Unfair ist es trotzdem.

søndag 23. februar 2014

Zimmerblumengießkannenwetter mit Windeinschlag

Es regnet in Bergen. Was nach insgesamt 20 Monaten in der nassesten Ecke Europas nun wirklich keine Überraschung mehr sein dürfte. Mein immer noch stetig präsenter Drang, mit meinen Mitmenschen die unterschiedlichen Stadien von Nieselregen über Bindfäden bis Waagerecht-bei-100-Prozent-Luftfeuchtigkeit und die Häufigkeit ihres Auftretens zu diskutieren, zeigt vielleicht auch nur meine fortschreitende Verwandlung in einen Einheimischen. Denn egal, seit wie vielen Tagen es nun schon wieder Wetter gibt, eine Unterhaltung lässt sich darüber immer noch führen.
Letzten Montag schien beispielsweise vormittags die Sonne, als ich gerade in der Vorlesung über verschiedene Haltungen zum norwegischen Impfprogramm und deren kulturelle Ursachen und Wirkungen saß. Nach einigen langen Wochen voll grauer Wolken und künstlichem Licht war das eine wirkliche Abwechslung – bis der Dozent, dessen Kleidungsstil auf geradezu gruselige Weise dem meines Vaters ähnelt, die Vorhänge vorzog. Als ich nach zwei Stunden Vorlesung und zwei Stunden äußerst sinnloser Gruppenarbeit (das Prinzip Gruppendiskussion scheint in weiten Teilen der norwegischen Bevölkerung vor Aufnahme eines Studiums unbekannt zu sein) die Uni verließ, regnete es Stärke Zimmerblumengießkanne und als ich abends von einem verlängerten Tanzvereinabend mit Sahnetorte wiederkam, waren wir bei Stärke Gartengießkanne mit Schwung.
Am Dienstag und Mittwoch gab es blauesten Himmel und Sonnenschein und vor lauter Schreck über dieses ungewöhnliche Ereignis, verkroch sich Ravna ängstlich im nächstliegenden unterirdischen Parkhaus. Da fand nämlich eine Ausbildungsmesse statt, auf der auch YFU einen Stand hatte. Mit meiner grundlegenden Angst, fremde Menschen anzusprechen, bin ich sowieso schon die perfekte Besetzung für jegliche Art von Öffentlichkeitsarbeit – kombiniert mit der Tatsache, dass man in Norwegen ganz offensichtlich auch als Messebesucher viel daran setzt, Kontakt zu Fremden möglichst zu  vermeiden, waren die sechs Stunden Arbeit ein voller Erfolg.  Aber was tut man nicht alles für seine Lieblingssekte seinen Lieblingsverein.
Am Donnerstag waren wir zurück bei Zimmerblumengießkannenwetter mit Windeinschlag, am Freitag tröpfelte es so vor sich hin und übers Wochenende erreichten wir die Stufe Waagerecht-bei-100-Prozent-Luftfeuchtigkeit – was der größten regionalen Zeitung der Gegend tatsächlich einen Artikel wert war: „Es war das Wochenende, an dem die Regenschirme starben“.
Es war auch das Wochenende, das Ravna endlich einmal wieder in ihrem Museum verbringen durfte. Die Wetterlage trieb verzweifelte Spanier in durchweichten Daunenjacken und komplett in Gore-Tex gewickelte Niederländer scharenweise zu uns und hätten wir statt Archäologie Gummistiefel zu vermarkten, wäre es das umsatzreichste Wochenende des Jahres geworden.

Nächste Woche sind Winterferien, allerdings nur für eines von zwei Fächern und auch nicht offiziell. Auf Universitätsnorwegisch heißt das nämlich Lesewoche. Klingt ja auch viel akademischer und es ist ja nicht so, dass man bei sechs Stunden Vorlesung die Woche sonst zu wenig Zeit hat, in seine Bücher zu gucken.

Ansonsten semestert das Semester so vor sich hin und Spotify spielt gerade einen Werbespot für ein Gewinnspiel, bei dem man seinen Kopf in 3D drucken und in Oslo ausgestellt bekommen lassen kann - wer will denn sowas? 

søndag 29. desember 2013

Tagespläne

Was tut man in der Weihnachtszeit, wenn es nicht schneit, stattdessen regnet, weit und breit?

Weihnachten ist zwar schon mehr oder weniger vergangen, aber ich habe immer noch einen halben Baumkuchen und einen ganzen kleinen Stollen im Schrank und die Kerzen im Adventskranz sind auch noch nicht ganz heruntergebrannt.

In dieser Nachweihnachtszeit also, wenn es nicht schneit, sondern regnet, weil ein geschichtenfanatischer Bücherwurm mit einem Spleen für Geschichte und Sciene Fiction und komischen Klamotten die grandiose Idee hatte, in die regenreichste Stadt Europas zu ziehen, lädt sich ebendieser Bücherwurm eine Freundin ein. Diese wird im Studentenwohnheimzimmer im beinahe leeren Studentenwohnheim einquartiert. Zwischen Koffern, Matratzen und eigenen Möbeln muss der Bücherwurm dann auch weniger putzen.
Draußen beginnen die Tage um 9:45, wenn die Sonne aufgeht, im Studentenwohnheimzimmer beginnen sie, sobald  sich der erste unter der Decke hervor an die Heizung traut, um ebendiese einzuschalten. Manchmal auch erst nach dem zweiten oder dritten Anlauf.


Der äußerst detaillierte und strenge Tagesplan sieht danach ein Frühstück vor, dann gemeinsame Aktivitäten bis ungefähr 15:00 Uhr, Heimkehr ins Studentenwohnheimzimmer und gemeinschaftliche Produktion einer Mahlzeit, danach Blogeinträgewettschreiben, wahlweise auch andere computer- oder lesebasierte Aktivitäten, eventuell Ansehen von zu komplizierten englischen Filmen mit für die Freundin unverständlichen Untertiteln oder gemeinsames Hinaus-in-den-Regen-Starren.

Zur Abwechslung dienen diverse Unterbrechungen der Tagesroutine, darunter ein Tanz-nach-Weihnachten-Abend des Tanzvereins, sowie das nächtliche Auftauchen des Bruders der Studentenwohnheimzimmernachbarin, der sich gegen 2:00 Uhr in der Küche plötzlich mit einem verschlafenen Bücherwurm, ohne Brille und in Gedanken noch in einem Traum über fliegende Untertassen, konfrontiert sah. Aber er zahlt 10 Kronen für beinah-gestohlene Klementinen und hinterlässt die Küche sauber, also darf er bleiben.

Das Leben ist blaue Pfefferkuchenpolizeiboxen mit gebackenem Lachs und Rote-Bete-Salat.


Gemeinsame Aktivität I: Beusch der Pfefferkuchenstadt


Pfefferkuchenpolizeibox. In blau!
Gemeinsame Aktivität II: Fahrt auf den Fløyen mit darauf folgendem Abstieg