mandag 8. juli 2013

Schlips am Morgen, Stulle zum Mittag (I)

Es ist 7:00 früh und schon seit einiger Zeit taghell draußen. Auf der Kommode neben dem Bett beginnt mein Handy zu vibrieren und eine Melodie aus dem 7. Harry-Potter-Film zu spielen. Ich hasse es, aus dem Bett gepiepst zu werden. 
Nachdem ich die ersten zehn Minuten meines heutigen Wachseins ein müdes, zerknittertes Gesicht im Spiegel angestarrt habe (stattdessen hätte ich lieber länger schlafen sollen), Cornflakes mit Apfelstückchen gegessen und Tee getrunken habe (Koffein ist lebensnotwendig, aber ich habe immer noch nicht kapiert, wie man diese Kaffeemaschiene bedient), suche ich in aller Eile Regenschirm, Portmonee, Handy, Busfahrkarte und die frisch gewaschene weiße Bluse, Marke Mittelalterstil zusammen. Auf mir unbekannte Weise ist die Uhr bereits auf 8:00 vorgerückt, und um 8:15 fährt unten im Kommunezentrum der Bus in Richtung Bergen. Mein Buch (Meister und Margarita von Michail Bulgakow, schon vor dem Abi hatte ich damit angefangen und kam einfach nicht weiter) liegt noch auf dem Sofa und so versuche ich für die erste Viertelstunde der Busfahrt, meine Augen mit aus-dem-Fenster-starren offen zu halten. 
Plötzlich steht ein Mann im Gang neben meinem Sitzplatz, der mir schon beim Einsteigen aufgrund der interessanten Kombination von altem Rucksack, knallblauem Regenschirm und schwarzem Anzug  aufgefallen war. Er hält mir einen rotgemusterten Schlips entgegen und nuschelt irgendwas halb verständliches. Ich brauche einige Minuten, bis ich glaube, zu verstehen, dass ich ihm helfen soll, den Schlips umzubinden. Betrunken scheint er nicht zu sein und vielleicht ist er ja tatsächlich einfach feinmotorisch dazu nicht in der Lage. Außerdem wäre es traurig, wenn er niemand anderen hat und deswegen fremde Menschen im Bus um Hilfe bitten muss, und für ihn sicher auch unangenehm. Aber fremden Männern im Bus beim Anziehen zu helfen hat gleichzeitig auch etwas sehr Merkwürdiges an sich. Ich helfe gerne, aber hier bin ich überfordert. Zumal ich auch gar keinen Krawattenknoten kann, worauf ich den Mann freundlich hinweise. Dieser findet in einem schnarchenden Mitreisenden zwei Reihen weiter vorn einen sicher sehr viel kompetenteren Helfer, und mir fallen nun doch die Augen zu.
Eine halbe Stunde später erwache ich durch ein unerhört lautes Piepgeräusch und die Ansage des Busfahrers. Das Stadtzentrum ist erreicht und draußen nieselt es immer noch. Ich löse den Sicherheitsgurt, steige aus dem Bus und spanne meinen Regenschirm auf. Nach zwei Wochen in Europas nassester Stadt hat der schon wieder zwei angeknackste Streben. Aber einen neuen kaufen lohnt noch nicht.
Zehn Minuten später habe ich das Weltkulturerbe Bryggen, eine Reihe schiefer, bunter Holzhäuser, für den heutigen Tag zum ersten Mal passiert und halte meine Schlüsselkarte vor den Leser der an Wochenenden verschlossenen Tür. Es piept und ein gelbes Lämpchen leuchtet auf, aber nachdem ich hastig den richtigen Kode eingetippt habe, will sich die Tür trotzdem nicht öffnen. Hinter mir klingelt der soeben vom Fahrrad gestiegene Hausmeister mit seinen Schlüsseln. "Na, ist er wieder schwierig?", fragt er (und meint damit wohl den Kartenleser), während er die Tür aufschließt. 
Bryggen in Bergen (Sommer 2010)
In der Damengarderobe hat wieder jemand das Licht auf der Toilette brennen lassen und ich frage mich, ob hier wohl meine deutsche Erziehung in Sachen Strom sparen durchkommt. Mein Vater hätte seine helle Freude an meinen Gedanken bezüglich der lichtschalterscheuen Sünderin.
Pünktlich um halb zehn betrete ich in weißer Bluse, Schürze und Polyesterkleid, Marke Mittelalterschnitt, die Ausstellungsräume des Museums. Der Wetterbericht hat zwanzig Grad versprochen und für einige Sekunden, überlege ich, den Aufstand zu proben. Meine männlichen Kollegen können schließlich, statt in roten Polyesterplastiksäcken zu schwitzen, einfach in Hemd und schwarzen Hosen gehen. Aber man ist ja lieb. 
Als ich zehn Minuten später mit dem Schlüssel und dem Ordner für den heutigen Tag wiederkomme, hämmert sich von draußen ein Mann in einer deutschen Allwetter-Touristenuniform, grün mit Wolfstatze, langsam aber sicher durch die Glastür. Eine halbe Minute später, als ich mich durch zwei Türen geschlossen habe, um ihm durch den Nebeneingang mitzuteilen, dass wir erst in einer Viertelstunde öffnen, ist er verschwunden. 
Als es soweit ist und Stine, eine meiner Arbeitskolleginnen mit Haupttürschlüssel die Tore zum mittelalterlichen Bergen für heute öffnet, kommt ein anderes buntbetatztes Paar herein. Sie nimmt einen Schlenker nach links, zu den zu verkaufenden Wollsocken, während er - auf die Preistafel starrend - beinahe sichtbar all sein Englisch zusammenkratzt: "Two tickets for the German tour, please". Ich finde den richtigen Knopf auf der Kasse: "Das macht dann 240 Kronen, bitte". Die Erleichterung auf seinem Gesicht ist deutlich, aber meinen Respekt für den ersten Satz hat er trotzdem.
Pünktlich um 10:00 führe ich ein Grüppchen von 6 deutschsprachigen, bunten Regenjacken mittleren Alters durch die Ausstellung, dann über Bryggen und durchs hanseatische Museum. Neben Informationen über Bryggen und Bergen im Mittelalter und zu hanseatischen Zeiten beantworte ich dabei Fragen zu meinen unglaublichen Deutschkenntnissen, Gründen für die Wahl meines Lebensweges, norwegischen Mietpreisen und den besten Fischrestaurants der Stadt.
Nach 90 Minuten überlasse ich die sechs im Hanseatischen Museum ihrem Urlaub und passiere nun zum zweiten Mal an diesem Tag Bryggen. Diesmal verfolgen mich ob meiner authentischen Tracht kleine Mädchen mit ihren Blicken und asiatische Touristen mit ihren Fotoapparaten. Wieder in der Damengaderobe stelle ich fest, dass ich meinen Jogurt und meine Banane ebenfalls zu Hause vergessen habe, doch im Museumskafè retten kostenloser Kaffee für Angestellte und ein paar Räucherlachsstullen vom Vortag, die nicht mehr verkauft werden können, meine Mittagspause.
Zehn Minuten vor zwölf mache ich mich auf den Weg zurück zur Rezeption. Am Fuß der Treppe steht bereits ein bunt gemischter Haufen Menschen mit grünen Stickern auf den Jacken und ein Mann sagt zu seiner Nachbarin: "Look at her dress - is she our guide?"
Für zehn Minuten bekommen meine Füße noch eine Ruhepause hinter der Kasse, bevor auch ich all mein Englisch zusammenkratzen muss, um 20 begeisterungsfähigen Amerikanern ein bisschen Weltkulturerbe zu zeigen.

Fortsetzung folgt.

onsdag 26. juni 2013

Herrschaft der Verwaltung

Um sich als EU-Bürger länger als 3 Monate legal in Norwegen aufhalten zu dürfen, braucht man zwar keine Aufenthaltsgenehmigung, aber man muss sich bei der nächsten Polizeistation melden und registrieren. Dabei muss man sich ausweisen und außerdem nachweisen, dass man sich selbst versorgen kann, etwa durch einen Arbeitsvertrag oder - wenn man studieren will - mit einer Erklärung, dass man genügend Geld hat.
Außerdem muss man, wenn man länger 6 Monate bleiben möchte, innerhalb von 8 Tagen beim Einwohnermeldeamt vorstellig werden. Da kann man dann auch eine Steuerkarte beantragen, die man braucht, wenn man arbeiten geht. Und außerdem muss man da auch hin, weil man eine Adresse in Norwegen braucht, um hier ein Bankkonto zu eröffnen. Und das braucht man ja, wenn man seinen Lohn haben will.
Jede Menge Bürokratie also, und auch wenn natürlich vieles einfacher ist, wenn man die Landessprache schon kann, treibt mich das gerade alles in den Wahnsinn. Die Dame auf der Polizei wollte meinen Arbeitsvertrag nicht akzeptieren, weil die Wochenstundenanzahl nicht angegeben war, und damit blieb ich gleich im ersten Kettenglied stecken. Denn die Polizeiregistrierung brauche ich, um eine Steuerkarte zu beantragen. Nix Registrierung, nix Konto, nix Steuerkarte, nix Lohn, ganz prima. Ich frage mich, was jetzt wäre, wenn ich z.B. Miete oder Strom oder beides zahlen müsste, aber nicht die Entsprechung von drei Monaten Leben in Norwegen auf dem Konto hätte. Ich säße irgendwann auf der Straße, und das nicht etwa, weil ich kein Geld hätte, sondern weil ich kein Konto hätte, auf die mein Arbeitgeber selbiges überweisen könnte.

Nun, die nette Dame, die beim Museum für den Lohn zuständig ist, wird meinen Vertrag ändern und dann fangen wir nochmal von vorne an. Nicht, dass man bei einem Saisonangestellten, der mal sechs Tage und mal nur einen Tag die Woche arbeitet, tatsächlich eine logische Wochenstundenzahl angegeben könnte. Aber was tut man nicht alles, um seinen Herrscher zufrieden zu stellen?

onsdag 12. juni 2013

Auf Wiedersehen

Heute geh ich, komm ich wieder,
singen wir ganz andre Lieder.
Wo so viel sich hoffen läßt,
ist der Abschied ja ein Fest.

 Ich bin heute über dieses Gedicht gestolpert, das wohl aus Goethes Feder stammt, und momentan passt es ganz gut. Es ist wieder einmal Abschiedszeit. Und ich mag keine Abschiede.
Wobei das eigentlich nicht stimmt. Ich glaube nicht an Abschiede. Deswegen mag ich das Gedicht so gern. 
Natürlich verabschiedet man sich, gerade, wenn man sich auf längere Zeit trennt, weil z.B. wie momentan sich nach dem Abitur alle in alle Himmelsrichtungen verstreuen. Manche nur ein paar Kilometer weiter südlich nach Berlin, andere gleich einmal um den ganzen Globus nach Australien. Aber - und ich weiß nicht, ob das eine merkwürdige Einstellung ist - ich glaube, dass es bei Freunden nicht wirklich auf die Entfernung in Kilometern ankommt. Oder auf die Telefonzeit in Minuten, die gesendeten E-mails in Megabyte oder was man sich sonst noch so an Maßeinheiten ausdenken könnte. Auch die obligatorische Weihnachtskarte muss es nicht sein, wenn man es einander nicht übel nimmt. Wenn man nur einander nicht vergisst, egal ob durch tägliches Chatten bei Facebook oder zwei Briefe im Jahr, und sich vielleicht irgendwann mal wieder trifft, auch wenn es länger dauert, dann ist das für mich kein Abschied, denn man ist ja nicht weg, man ist ja nur woanders.
Deswegen habe ich auch so meine Probleme mit den großen zelebrierten Wir-haben-uns-alle-lieb-Abschieden vor Ereignissen wie Klassenauflösung-und-dann-Oberstufe oder Abitur-und-Schulabgang. Ich bin keineswegs gefühlskalt, aber die Leute, die mir wichtig sind, verliere ich auch nicht, weil ich demnächst nicht mehr mit ihnen auf eine Schule gehe. Und die anderen hatten mich vorher auch nicht mehr lieb als nachher.

Am Freitag ist Zeugnisausgabe, am Sonntag ist Abiball, am Montag fliege ich nach Norwegen. Ich bin aufgeregt, ich habe auch zahlreiche begründete und unbegründete Befürchtungen, ich habe keine Ahnung, ob das alles eine gute Idee ist, ich werde meine Eltern vermissen und meine Freunde auch - aber eigentlich freue ich mich nur unglaublich, mal wieder etwas Neues mit meinem Leben ausprobieren zu können.


tirsdag 19. mars 2013

Heiter bis wolkig

Inzwischen ist es schon fast eher Ende als Mitte März, ein Blick aus dem Fenster gauckelt mir aber nach wie vor ein um zwei bis drei Monate nach hinten verschobenes Datum vor. Oder auch einen Aufenthaltsort ein paar Breitengrade weiter nördlich als es momentan der Fall ist. 


Fast eher Ende März bedeutet auch, dass sich die Zeit, die ich in der Schule und vor allem mit Unterricht in diversen nützlichen und unnützen Fächern verbringe, rapide dem Ende zuneigt. Damit wird eine meiner absoluten Lieblingsfragen aus Austauschzeiten wieder aktuell: 

"Und, dir ist doch bestimmt schon komisch, oder?"

Nein. Nein, ernsthaft, mir ist absolut nicht komisch. Trotz beständiger Erinnerung seitens der Lehrer und meines Kalenders, trotz Abigagplanung und momentan laufender Mottowoche, vom Gefühl her bin ich mir absolut nicht bewusst, dass ich nächste Woche um diese Zeit nie wieder geregelten Schulunterricht haben werde. 
Und eigentlich freue ich mich auch, nach zwölf+eins Jahren endlich fertig zu werden, denn Schule an sich macht in letzter Zeit absolut gar keinen Spaß mehr, und ich freue mich darauf, mal wieder etwas ganz neues anzufangen.
Vor allem das letzte Jahr war fast nichts außer stressig und nervig. Ein bisschen darf es das ja auch sein, schließlich will ich ja irgendwo tief drinnen doch ganz gerne was lernen. Aber in Fächern, in denen ich viel Zeit aufwenden müsste, um weiter zu kommen und die noch zusätzlich fürs Zeugnis irrelevant sind, bin ich im Endeffekt ja doch nur die Deko. Ja, ich komme zu Physik, ich bin ein Streber, ich schwänze nicht. Aber eigentlich verschwende ich drei Schulstunden die Woche damit, herumzusitzen. Die könnte ich für nützlichere Aktivitäten verwenden, die zwar auch nicht aufs Zeugnis kommen, aber mir Spaß machen. Etwa für den Russischkurs an der VHS, den ich abbrechen musste, weil jeden Montagabend nach Berlin reinfahren und erst um 22:30 nach Hause zu kommen ein bisschen schwierig war. Oder um vernünftig Spanisch zu lernen, denn mit einer Lehrkraft, bei der man bulemieartige Vokabeltests schreibt und ansonsten höchstens Almodovar-Filme auf Deutsch guckt, kann man das nicht. Selbst, wenn man gerne möchte. Und wenn man sich dann zum hundertsten Mal den Nachmittag für irgendwas um die Ohren geschlagen hat, und dann fällt die Stunde am nächsten Tag aus, ist das auch nicht eben motivierend. 
Ich habe zehn verschiedene Fächer. Zwei davon finde ich hochgradig uninteressant, fünf sind zwar fachlich spannend, aber der Unterricht ist zum Davonlaufen (und das liegt nicht immer an den Lehrern) und die anderen drei sind ok.
Sozial ist Schule eine feine Sache, lauter nette Leute mit denen man die zahlreichen Frei- und Ausfallstunden verbringen kann, aber ansonsten tu ich mir das nur an, damit ich endlich dieses Abiturdingens kriege und studieren kann.
Und vielleicht ist studieren ja genauso furchtbar, aber darüber kann ich mir zumindest momentan noch Illusionen machen.

mandag 4. mars 2013

Abitur

Jeg har fått en del spørsmål om hva det egentlig er jeg holder på med for tiden, så jeg skal prøve å forklare litt om det tyske skolesystemet. Det er mange som har prøvd å forstå det og de fleste har mislykket, dessuten forandrer de et eller annet minst to ganger i året, men jeg skal gi mitt beste.

For det første så gjelder alt jeg forteller nå kun for delstaten Brandenburg og kun for de som går i 12. klasse dette skoleåret. De før oss hadde et annet system, de etter oss har fått et nytt og siden Tyskland er et forbundsrepublikk så har hvert delstat funnet det beste systemet, og hvert delstat har selvfølgelig funnet på noe annet.

Her så går man ihvertfall på barneskolen i 6 år, før man må bestemme seg på hva slags "videregående" skole man vil gå. Det finnes skoler som slutter etter 10. klasse, og man går vanligvis dit hvis man ikke skal studere. Jeg har ikke så mye peiling på hvordan det fungerer, fordi jeg begynte på en skole som går videre til det som heter Abitur. Abitur er eksamen man tar etter 12 år på skolen og det er det som gir generell studiekompetanse. Skolene der man kan ta dette heter Gymnasium. Det som er litt urimelig for elevene er at det faktisk er to skoleår som regnes inn i gjennomsnittskarakteren man får helt til slutt. Så 11. klasse og 12. klasse er like viktige og derfor måtte jeg ta ett år om igjen etter at jeg dro på utveksling etter 10. klasse.
Jeg har 10 forskjellige fag, to av dem er litt viktigere enn de andre (siden jeg ikke har funnet et passende norsk ord kaller jeg de for "hovedfag") og to av de som er mindre viktig går ikke inn i gjennomsnittskarakteren, men jeg må likevel ta de. Man kan velge sjøl hvilken fag som skal være hovedfag, litt avhengig av hva skolen tilbyr, og man må ta tysk, historie, matematikk, to fremmedspråk og gym, plus noen andre fag som man velger, så det er ikke så mye forskjell til Norge.
Jeg har altså tysk og biologi som hovedfag, plus kunst, matematikk, engelsk, spansk, fysikk, politisk undervisning (samfunnsfag), gym og historie.
I april skal vi ha skriftlig eksamen i tre fag og muntlig eksamen i et fag. Hovedfagene må være skriftlige og man må ha med både språkfag, realfag og samfunnsfag/historie, så jeg skal ha tysk, biologi og engelsk skriftlig og politisk undervisning muntlig. I motsetning til Norge kan man velge fagene sjøl.
Forresten, så har vi ikke egne PCer på skolen, bare noen gamle på biblioteket og et rom med PCer til en klasse som man må reservere hvis man vil bruke den, så vi må skrive alle heldagsprøver med penn og papir.

Håper dette svarer på noen spørsmål, hvis ikke, er det bare å stille flere.