søndag 9. januar 2011

Merkel vs Stoltenberg


Nun ist das neue Jahr auch schon wieder über eine Woche alt, der Weihnachtsbaum ist rausgeflogen und auch wenn der restliche Schmuck noch hängt, fühlt es sich nicht mehr besonders weihnachtlich an. Und auch wenn ich gesagt habe, Weihnachten sei hier fast genauso wie in Deutschland, möchte ich hiermit auf einen riesigen Unterschied aufmerksam machen - zu Weihnachten wie zu Neujahr ist es üblich, das irgendwelche halbwegs wichtigen Personen eine Ansprache im Fernsehen halten. In Deutschland gab es dieses Jahr eine Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten und eine Neujahrsansprache der Kanzlerin, in Norwegen gab es eine Neujahrsansprache des Königs und eine vom Ministerpräsidenten (auf Norwegisch heisst der "statsminister", aber wikipedia übersetzt das mit "Ministerpräsident" und ich schreibe ja deutsch).
Da ich ja krankhaft politikinteressiert bin und überhaupt ja nicht besseres zu tun hab, hab ich mir den Spass gemacht, und die Reden jeweils miteinander verglichen:
Zuerst einmal Angela Merkel und Jens Stoltenberg. Merkel sitzt an einem Schreibtisch mit Blumendeko, im Hintergrund eine deutsche und eine europäische Flagge und das Reichstagsgebäude. Stoltenberg sitzt auch an einem Schreibtisch mit Blumendeko, im Hintergrund ein undefinierbares Bild. Obwohl Flaggen in Norwegen eigentlich viel häufiger zu sehen sind als in Deutschland, ist es hier umgekehrt.
Merkel beginnt ihre Ansprache mit "Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger", Jens Stoltenberg sagt "kjære alle sammen". Das bedeutet wortwörtlich "Liebe alle zusammen" und wäre auf deutsch falsch, entspricht aber doch in etwa den lieben Mitbürgern.
Während nun aber Merkel beginnt, über das erfolgreiche Jahr und die Arbeitslosenzahlen zu sprechen, wie besorgt sie letztes Jahr an gleicher Stelle wegen Finanz- und Wirtschaftskrise war und das nun soviele Menschen Arbeit haben wie noch nie im vereinigten Deutschland, beginnt Stoltenberg mit dem 100-jährigen Jubiläum von Roald Amundsens erfolgreicher Südpolexpedition und das jede Generation ihre Herausforderungen habe - beim Südpol 1911 ging es um das Erreichen eben dieses Punktes, bei Südpol 2011 geht es um den Klimawandel.
Während Merkel also mit geschönten Arbeitslosenzahlen anfängt, gibt es in Norwegen erstmal einen Hinweis auf die Bedeutung des Klimawandels.
In der deutschen Rede geht es erstmal weiter mit Eigenlob ("Was wir uns vorgenommen haben, haben wir auch geschafft" - jeah, für Hotelbesitzer war das ganze Jahr sicher eine einzige Freude) dann folgt ein Lob für die Mitbürger und ihren Verdienst um das Herauskommen-aus-der-Krise. In der norwegischen Rede geht es weiter mit Geschichte - "über 1200 der heutigen Norweger waren geboren, als Roald Amundsen am Südpol war". In den 100 Jahren, die seitdem vergangen ist, habe Norwegen eine wunderbare Verwandlung durchgemacht und sie hätten daran teilgenommen. Von der Krise in den dreissiger Jahren über die Zeit, als Norwegen von den Nationalsozialisten besetzt war bis heute, sei aus einem kleinen, armen Land, aus dem viele auswandern wollen, ein modernes, reiches Land geworden.
Während Stoltenberg also die Alten im Land und die Entwicklung der letzten 100 Jahre lobt, geht es bei Merkel mit der Fussballnationalmanschaft und den deutschen Tugenden weiter - diese, nämlich Fleiss, Disziplin, Ideenreichtum und Technik auf höchstem Niveau, hätte die Manschaft in Südafrika wunderbar gezeigt.
In Norwegen sind sie mit der älteren Nation noch nicht durch, es geht weiter. Die Babies aus dem Boomjahr 1946 (geboren, weil ihre Eltern sich so sehr über das Ende des Krieges freuten) werden Rentner - Rentner, die fast 30 Jahre länger zu leben haben als noch ihre Grosseltern. Genau deswegen müsse die Gesellschaft sich auf eine neue Art des Alterns und des Altseins einstellen, sagt Stoltenberg. Norwegen braucht ein neues Pensionssystem, denn das alte ist aus einer Zeit, als das Eintrittsalter 70 war - die Lebenserwartung 74. Heute liegt das eine bei 62, das andere bei 81. (Man bemerke - 62 ist NICHT die Lebenserwartung) Aber auch Merkel ist mit ihrem Thema noch nicht durch - dieses Jahr ist nämlich Fussballweltmeisterschaft der Frauen und politisch korrekt müssen die natürlich auch erwähnt werden. Danach geht es weiter mit dem Euro - weit mehr als eine Währung, garantiert dieser Deutschland zusammen mit der EU Wohlstand, Sicherheit, Frieden, Freude und Eierkuchen! (Eh - Norwegen ... nei til EU ... Kronen ... Wohlstand ... da war doch was ...) Stoltenberg lobt derweil Altenpfleger und alle, die sich um die älteste Generation sorgen und nennt ein Ziel - einen Kindergartenplatz für jedes Kind hätten sie nun, jetzt gehe es darum, die Altenpflege ("Umsorge") zu verbessern. (auch da war doch was ... Kindergartenplätze für alle bis 2013, auch wenn keine Kommune Geld hat ... oder so) . Angela Merkel redet nun über unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan. Die 9 getöteten Soldaten 2010 hat sie nicht vergessen, ebensowenig die Verwundeten. Aber irgendwie scheint das Thema doch unangenehm und schnell geht es weiter mit einem Ausblick auf die diesjährigen Pläne der "christlich-liberalen" Bundesregierung: Mehr Arbeit, mehr Ordnung in den Finanzen, einfachere Steuern, besseres Pflege- und Gesundheitssystem, mehr Zusammenhalt - nun, wir sehen das ja in einem Jahr. Ausserdem eine "Bildungsrepublik" Deutschland und Bildungsgutscheine für die Kinder, die ja sowieso schon am Rande stehen und eine Energiepolitik, eine Energiepolitik! Umweltschonend und bezahlbar, strahlend und nicht endlagerbar! Das werden rosige Zeiten! Die Bundeswehr wird kleiner und besser, die CDU hat das Freiwillige Soziale Jahr erfunden und mit einem Dankeschön an all die helfenden Hände in Deutschland ist das ganze Schauspiel nach 7 Minuten und Gottes Segen auch schon vorbei.
Stoltenberg redet dagegen noch ein bisschen. Er ist stolz auf die vielen Frauen, die in Norwegen arbeitet gehen, weil sie das wegen der Kindergartenplätze können und dann kommt auch er zum Thema Afghanistan. Im Gegensatz zu Merkel nennt er alle Getöteten beim Namen, aber auch hier ist kein bisschen Kritik zu finden. Danach folgt ein Rückblich darauf, das das letzte Jahrzehnt doch ganz erfolgreich war, hier findet sich auch endlich die Finanzkrise. Nach einen Dank an die Königsfamilie für ihre Arbeit und einem Gutes-neues-Jahr-Wunsch folgt die Norwegische Nationalhymne.

Insgesamt ist die Rede von Merkel sehr viel politischer als die von Stoltenberg - sie sagt direkt, was die jetztige Regierung angeblich alles tun wird, er redet nur allgemein davon, was verbessert werden kann. Stoltenberg nimmt sehr viel mehr Bezug auf die Geschichte, was einerseits natürlich an den 100 Jahren Südpolreise liegen kann, aber auch daran, das für die Norweger mit ihrem Patriotismus die Landesgeschichte sehr viel positiver ist als für die Deutschen, die in den letzten 100 Jahren neben der Wiedervereinigung mit zwei angefangenen Weltkriegen auch sehr viel weniger erfreuliche Ereignisse haben.
Das die norwegische Rede ganz ohne Arbeitslosenzahlen, Bildungspolitik und Fussball auskommt, spricht auch für sich. Sowohl dafür, das dies keine ganz grossen Themen sind, als auch dafür, dass Politiker hier sehr viel weniger nur Politiker sind als in Deutschland. Jens gibt auch mal ein Interview, dass vorallem lustig sein soll, Merkel würde sich nie für eine lustige Fernsehsendung interviewen lassen.

Die Reden sind hier zu finden:

Merkel
Stoltenberg1 / Stoltenberg2

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich für die Übersetzungen keine Garantie übernehme und das hier sehr viel von meiner eigenen Meinung eingeflossen ist, die natürlich jeder finden kann wie er will. Ausserdem möchte ich allen gratulieren, die bis zum Schluss durchgehalten haben ... Ich werde auch den König und den Bundespräsidenten vergleichen, aber ob ich das veröffentliche, weiss ich noch nicht, so spannend ist es dann vielleicht doch nicht.

mandag 27. desember 2010

Weihnachten


Weihnachten war wunderbar. Im Gegensatz zu letztem Jahr gab es keine Streitereien, weder in Norwegen noch in Deutschland ... in Norwegen gibt es ja eigentlich nie Streitereien, aber warum sie sich in Deutschland nur streiten, wenn ich da bin? Sollte mir das zu denken geben?

Im Grunde war es gar nicht so anders als zu Hause - die Geschenke wurden unter den Weihnachtsbaum gelegt, danach wird Pinnekjøtt gegessen (und nein, auch nach dem dritten Mal schmeckt es nicht besser) und danach werden die Geschenke ausgepackt und man sitzt zusammen und redet oder spielt etwas oder macht aus langer Weile den Fernseher an. Geschenkeauspacken war ein bisschen anstrengend, weil Gastcousine und Gastcousin ihre ganz eigenen Vorstellungen davon hatten, wer welches Paket wann auspacken darf - und ja, sie hatten jeder ihre ganz eigene Vorstellung, sodass es ziemlich kompliziert war.
Ich habe sogar Geschenke bekommen und wenn meine Gastcousine es nicht auseinandergenommen hätte, könnte ich eines wunderbar für YFU gebrauchen - Wer erinnert sich noch an den roten Ball?
Ausserdem habe ich versucht "nüsser" als deutsche Mehrzahl für "Nuss" zu verkaufen, jaja, en nuss, flere nüsser, aber das ist dann doch etwas zu norwegisch. Zusammenhängend Deutsch reden oder schreiben geht ja noch (mal von der Rechtschreibung abgesehen), aber ansonsten hab ich es echt nicht so mit meiner "Muttersprache". Das einzige, was noch wunderbar geht, ist Berlinern und das hab ich in Deutschland eigentlich nie so gesprochen.
Wir waren wunderbar wandern über Weihnachten ... aber mein Fotoapparat lag gut verpackt im Schrank und wurde vergessen. Es wären so tolle Schneebilder geworden, Schnee haben wir nämlich mehr als genug - es schneit nie in Bergen ...


Ich hoffe, ihr hattet auch alle schöne Weihnachten.

søndag 19. desember 2010

Perfektionismus

Ich war in letzter Zeit mal wieder häufiger im ATS-Forum und dabei ist mir aufgefallen, wie viel Glück ich doch eigentlich habe und wie wenig Probleme. Viele scheinen momentan Heimweh zu haben, wegen Weihnachten, wollen wechseln oder abbrechen, haben Stress mit Gastgeschwistern oder der Organisation oder fühlen sich als der 2. Austauschschüler wie die schlechte Zweitbesetzung.

Und ich? Ich habe kein Heimweh und hatte keinen Kulturschock, würde meine ehemalige Ankunftsfamilie nie im Leben wechseln wollen, bin schon traurig, dass fast die Hälfte der Zeit rum ist, habe zwei wunderbare Schwestern und einen Bruder, der der Austauschschüler vom letzten Jahr ist. Und YFU ist hier zwar verplanter als in Deutschland, aber klein, persönlich und ich fühle mich ganz gut aufgehoben.
Und nein, es ist nicht alles perfekt. Ich habe nach wie vor keine richtig guten Freunde. In der Schule bin ich nicht allein, aber nachmittags mit jemandem treffen, das tu ich eigentlich gar nicht. Ausser zu Geburtstagsfeiern. Und die Freunde in der Schule sind fast alle nicht in meiner Klasse, wie ein Teil der Klasse fühle ich mich also auch nicht unbedingt. Mehr wie ein Teil derer, die sich nicht wie ein Teil der Klasse fühlen.
Und auch meine Gastfamilie ist nicht perfekt. Natürlich nicht. Keine Familie ist perfekt. Sie sind die liebste Familie Norwegens und ich möchte sie um nichts in der Welt hergeben. Aber es ist nicht immer so toll, wenn es heisst, 16:00 passiert das und das und 18:00 Uhr hat sich immer noch nichts getan. Das liegt vielleicht auch an meinen deutschen Zeitvorstellungen, aber ich finde es ziemlich schwierig, mich daran zu gewöhnen.Ordentlicher ist es zu Hause in Deutschland auch, aber das liegt nicht unbedingt an mir und erstreckt sich auch nicht bis in mein Zimmer, also bin ich wohl auch die letzte, die sich darüber eschoffieren darf. Und ja, ich weiß, dass das im Duden anders steht.
Aber warum gehts mir dann trotzdem so prima? Warum stört mich nicht, was andere stört? Ich bin wohl kaum der perfekte Austauschschüler, niemand ist das.
Aber ich bin hier hergekommen, ohne auch nur ein einziges Mal mit meiner Gastfamilie kommuniziert zu haben. Alles was ich hatte, waren die Namen und eine Nachricht von Martin auf Facebook. Und sie waren nur Ankunftsfamilie. Ich hatte überhaupt keine Erwartungen, ich dachte, es wäre nur für ein paar Wochen und ich wusste auch nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte, dass sie nur Ankuftsfamilie waren. Und dann war ich da, bei dieser Familie, die den gleichen Humor hat wie ich, mit den Gastschwestern, die die mit denen es einfach passte und nach einer Woche waren sie Jahresfamilie. Das immer noch vorhandene Weihnachtsdeckchen im Wohnzimmer und die allgemeine norwegische Verplantheit waren mir deswegen ziemlich egal. Es fiel mir auf, eigentlich störte es mich auch ein bisschen, aber ich hab es einfach nicht beachtet.
Und die Freunde in der Schule und die Klasse? Wenn ich an die 7. Klasse in Deutschland denke, habe ich damals auch nicht sehr schnell Freunde gefunden und bis heute habe ich nur mit drei Leuten etwas, das man als "Freundschaft" bezeichnen kann, dazu noch einige Freunde in anderen Klasse. Und in Deutschland konnte ich von anfang an ganz normal mit den anderen reden. Kann ich dann hier, nachdem ich die ersten 2 1/2 Monate kein Norwegisch sprach, immer noch nicht perfekt norwegisch spreche, nach 4 1/2 Monaten erwarten, dass ich mit der ganzen Klasse gut befreundet bin und wirkliche, gute Freunde gefunden habe? Wohl eher nicht. Dafür bin ich gar nicht der Typ.
Ich habe eine wunderbare Gastfamilie, drei Geschwister und ein zweites Zuhause bekommen, ich spreche Norwegisch und ich denke, damit kann ich vollkommen zufrieden sein. Der Rest ist schmückendes Beiwerk, hübsch anzusehen, aber nicht notwendig und schliesslich habe ich noch 5 1/2 Monate Zeit, um zu dekorieren.

Ich wünsche euch hiermit einen schönen 4. Advent und frohe Weihnachten!

lørdag 18. desember 2010

Hyttetur und Weihnachtsfeiern

Da bin ich wieder. Alle Feiern sind überstanden, aber jetzt gibt es viel, viel, viel zu viel zu erzählen und ich schulde auch immer noch einen Bericht über die Hyttetur. Aber wenn ich nicht bald anfange, komm ich nie dazu. Aaaaaaaaaalso:

Die Hyttetur. Das ist jetzt schon eine ganze Weile her, das war das letzte Wochenende im November. Mein Gastvater hat mich und meinen Schlafsack am Freitag nach Grimseid gefahren, wo die Hütte steht. Die Hütte ist eigentlich keine Hütte, sondern ein Haus mit Küche, Bad, mehreren Doppelstockbettenzimmern und einem grossen "Saal" mit Ofen.
Da es in der Woche vorher gerade richtig kalt geworden war und wir seid längerer Zeit die ersten Besucher waren, war es eisekalt im ganzen Haus und wir haben erstmal alle unsere Sachen irgendwo liegenlassen und uns alle 13 in die Küche gequetscht, weil es da dank laufendem Herd, vielen Leuten und Enge schon relativ warm war. Gemacht haben wir alles mögliche. Einmal natürlich getanzt, aber wir haben auch "Mein rechter, rechter Platz ist leer" für Fortgeschrittene gespielt, oder Stadt/Land/Nobelpreisgewinner/Instrument. Ausserdem haben wir Pfefferkuchen gebacken und Tassen angemalt und Tacos gegessen. Tacos ist hier sowieso ein Nationalgericht, ich møchte mal wissen, woran das liegt. Kennen tut man das ja auch in Deutschland, aber so häufig gibts das da nicht.
Das Haus haben wir allerdings nie verlassen, dafür war es viel zu kalt. Am Sonntag war dann gegen Mittag schluss und nachmittags war dann Grøtfest mit YFU. Grøtfest bedeutet, dass man zusammen Unmengen "Risgrøt" (Milchreis) verputzt und wer in seiner Portion eine Mandel findet, der bekommt einen Preis. Ausserdem konnte man die ganzen YFU-Leute wiedersehen, auch die anderen beiden ATS, die hier in der Gegend wohnen. Es ist doch immer wieder ganz nett, sich mal mit Leuten auszutauschen, die die gleichen Probleme haben. Allerdings wird es immer merkwürdiger, mit jemandem Deutsch zu sprechen, der sich nicht an der anderen Seite des Telefons befindet.
Am Wochenende darauf gab es Besuch aus der Nähe von Oslo - Krissie, eine von den anderen YFU-Deutschen, war in Bergen um ihre Gastschwester zu besuchen und wir haben uns zusammen mit Sally (die auch eine YFU-Deutsche ist) in Bergen getroffen und hatten einen schönen Tag mit Dominosteinen, kalten Füßen, Wikingerladen und Gemüselasagne - und es war wirklich faszinierend, das Krissie tatsächlich ein anderes Norwegisch spricht als Sally und ich.

Und dann war da natürlich letztes Wochenende - die Klassenfeier ist zwar ausgefallen, weil wir uns alle verplant hatten und bis Freitag keiner wusste, wo wir denn nun eigentlich hingehen sollen, aber ansonsten war es wunderbar. Donnerstag abend sind die beste Freundin meiner Gastmamma und Martin angereist (ich habe von Laura, die dieses Jahr aus Estland in Norwegen ist, erfahren, wann Martin angkommt - spricht doch für die Verplantheit der Norweger im Allgemeinen und der meiner Gastfamilie im Besonderen ... ). Ich wurde dann allgemein bedauert, weil ich fast die einzige war, die Freitag um 6:00 Uhr aufstehen musste, um in die Schule zu gehen. Ausgerechnet Physikblocktag, es war sooo langweilig. Nachmittags als ich nach Hause kam, war nur Martin da und wir haben die Zeit genutzt, ausführlich über die Familie zu lästern - nein, so schlimm war es nicht, aber es war ganz lustig, mal mit einem anderen "Halbaußenstehenden" zu reden. Und ich hab mich ganz umsonst gegrault, sein Norwegisch ist auch nicht perfekt. Abends habe ich dann mit einer Gastschwester und Gastmamma die Tische für die Geburtstagsfeier gedeckt - ich bin immer noch vollkommen fasziniert. Meine Gastfamilie ist die liebste, aber verplanteste und aufräumunfähigste Familie Norwegens, aber beim Tischdecken musste alles tipp-topp sein, mit extra akkurat ausgerichteten Gläsern und gefaltenen Servietten und extra-polierten Gabeln und was nicht noch alles. Ich bin ja mehr so der "Das fällt doch eh keinem auf"-Typ, aber was tut man nicht alles. (-; Am Samstag war dann der grosse Tag - erstaunlicherweise waren wir alle pünktlich fertig, obwohl 7 Menschen mit 2 Bädern duschen mussten, wobei das Wasser jeweils nur für eine Dusche gleichzeitig funktioniert. UND - ich will ein Junge sein. Wirklich. Ich hasse es, mir Gedanken über "Was soll ich anziehen" machen zu müssen. Es hieß "schön, aber nicht notwendigerweise Gala", worunter ich mir natürlich viel vorstellen konnte - ein Hemd und eine Hose wär so einfach gewesen, aber so? Ringelstrumpfhosen oder nicht, Schuhe hab ich keine, muss ich welche leihen, mit Absätzen kann ich aber nicht gehen und schon gar nicht tanzen - uff. Nun, im Endeffekt bin ich nicht nackt gewesen, aber trotzdem. Die Feier war ganz schön. Es gab Rentier, was sicher nicht mein Lieblingsgericht wird, aber das Kuchenbuffet war wunderbar. Es wurde vor dem Essen und nach dem Essen zusammen je ein Lied gesungen und danach auch getanzt. Insgesamt war es viel besser als alle Familienfeiern die ich in Deutschland je erlebt habe, allerdings wurden ich und Martin dauernd von irgendwelchen Verwandten angesprochen, die uns kannten, an die wir uns aber nicht erinnern konnten. Wir haben bestimmt 5 mal zu hören bekommen, dass man gar nicht merkt, das wir uns erst zwei Tage kennen und wie gut wir oder er oder ich norwegisch sprechen und das wir ja sogar tanzen können und was nicht noch alles. Und voher Leute, die mich vielleicht zweimal gesehen haben, wissen wollen, wie ähnlich ich doch meinem Gastvater bin, würde mich auch mal interessieren. Mein Gastopa spricht konsequent Deutsch oder Englisch mit mir, auch wenn ich inzwischen auf Norwegisch antworte, ausserdem spricht er auch Deutsch mit allen anderen, wenn ich dabei bin, nur versteht das dann keiner. Also ja, der Abend war ein Erlebnis für sich.

Am Sonntag waren wir dann auf Weihnachtsbaumjagd, schliesslich war ja am Dienstag schon die erste Weihnachtsfeier. Der Weg war extrem vereist und niemand hat es geschafft auf den Beinen zu bleiben, aber dafür haben wir jetzt einen Extra-Klasse-Weihnachtsbaum. Bei den vielen blauen Flecken muss er einfach schön sein.
Und am Dienstag war dann Weihnachten. Frühmorgens sind Martin und ich auf den nächsten Berg gestiegen, um Sonnenaufgangsfotos zu machen, nur leider hat es geschneit und war neblig, sodass daraus nicht viel geworden ist. Es war auch da extrem glatt und ich habe runterwärts unfreiwillig ausprobiert, ob es nicht mit Judo-vorwärts-fallen schneller geht - ja, es geht schneller, aber ich empfehle es nicht.
Als wir wieder zu Hause waren, gab es Weihnachtsbrunch, danach Baumschmücken und massenweise Kitzelattacken und irgendwann auch schon wieder Essen - Pinnekjøtt. Fragt mich nicht, was das ist, ich weiss es nicht. Es ist irgendwie Schaf oder Lamm und irgendwie gesalzen oder getrocknet oder beides und es wird irgendwie gekocht und es sind Birkenstäbchen involviert - es ist essbar, aber warum man das unbedingt zu Weihnachten essen muss, versteh ich nicht ganz. Ja, und Geschenke gab es auch. Ich habe zwei Wollunterhemden bekommen und ich frage mich wirklich, ob jemandem vielleicht aufgefallen ist, dass ich andauernd friere, egal wie warm es eigentlich ist ...
Tja, und am Mittwoch/Donnerstag sind dann alle Geschwister nach Peru und Estland abgehauen und ich bin noch übrig und freue mich auf den nächsten Weihnachtsabend.

Ich frage mich gerade, ob wohl jemand an Bildern interessiert wäre, auch wenn es keine Bilder mit Personen wären?

onsdag 8. desember 2010

Es weihnachtet ...

... ziemlich früh dieses Jahr. Der Verkauf von Pfefferkuchen und Weihnachtslimonade hat zwar erst einen Monat nach dem Verkauf von Leb- und Baumkuchen angefangen, dafür wird das Weihnachtsfest hier am 14.12. stattfinden.
Nein, dass ist keine norwegische Tradition, das liegt an der Familiensituation. Meine Gastschwestern haben beschlossen, dass Weihnachten der beste Zeitpunkt ist, um nach Peru zum Sprachkurs zu verschwinden, und weil ausserdem der andere Gastbruder aus Estland da ist, wird eben Weihnachten gefeiert, wenn alle zu Hause sind. Überhaupt bereite ich mich gerade auf einen Feiermarathon vor. Am Freitag Weihnachtsfeier mit der Klasse, am Samstag Geburtstagsfeier meiner Gastmamma, am Montag die Volkstanzleute und am Dienstag Weihnachten.
Und an Weihnachten krieg ich sogar frei. Ich hab meine Kontaktlehrerin gefragt, ob ich etwas früher gehen darf, weil wir eben Weihnachten feiern und sie meinte, wenn man gehen will, geht man halt und wieso denn nicht gleich den ganzen Tag? Und jetzt hab ich am Dienstag halt frei. (-:

Eigentlich sollte das hier jetzt der Bericht über meine Hyttetur werden, aber ich hab gar keine Zeit dafür, sorry. Der kommt dann hoffentlich nächste Woche, nach der ganzen Feierei.

Hoffe, ihr hattet einen fleissigen Nikolaus. Den kennt man hier næmlich nicht und ich hab ihn vermisst. Ein bisschen jedenfalls.